Wer über Automatisierung im Vertrieb spricht, stellt sich meistens etwas Kurzes vor. Anfrage rein, freundliche Antwort, Link zum Kalender, fertig. Drei Nachrichten, vielleicht vier.
Die Realität sieht anders aus.
Nachrichten umfasst ein Gespräch im Median, das am Ende zu einem angebotenen oder gebuchten Termin führt. Das kürzeste kam mit drei aus, das längste brauchte 59.
Was in diesen 16 Nachrichten passiert
Es ist kein Small Talk. Ein Gespräch, das zu einem Termin führt, arbeitet fast immer dieselben Punkte ab, nur eben verteilt und in der Reihenfolge, die der Kontakt vorgibt.
- Worum es überhaupt geht. Was macht der Kontakt, was will er erreichen.
- Ob es gerade drückt. Ein Thema, das nicht weh tut, führt zu keinem Termin, egal wie freundlich das Gespräch verläuft.
- Ob die Rahmenbedingungen passen. Kapazität, Zuständigkeit, ungefähre Größenordnung.
- Einwände. Fast jedes Gespräch enthält mindestens einen: keine Zeit, zu teuer, muss ich mit jemandem besprechen, ich melde mich.
- Der Übergang zum Termin. Und danach oft noch zwei bis drei Nachrichten, bis wirklich gebucht ist.
Jeder dieser Punkte braucht eine echte Rückfrage und eine Antwort, die zu dem passt, was vorher gesagt wurde. Genau daran scheitert die einfache Automatisierung.
Wie lang sind Gespräche, die zu einem Termin führen?
45 Gespräche mit angebotenem oder gebuchtem Termin, gemessen in Nachrichten
Ein Viertel der Gespräche lief über mehr als zwanzig Nachrichten. Wer auf drei Nachrichten plant, plant an der Realität vorbei.
Warum Chatbots an dieser Aufgabe scheitern
Ein klassischer Chatbot ist auf kurze, geschlossene Abläufe gebaut: Frage, Auswahl, Ergebnis. Er funktioniert hervorragend bei „Wann habt ihr geöffnet“ und bricht zusammen, sobald jemand antwortet: „Kommt drauf an, wir überlegen noch, ob wir das intern machen.“
Dazu kommt der Ort. Ein Chatbot sitzt auf der Webseite und wartet, bis jemand ihn anklickt. Ist der Besucher weg, ist das Gespräch weg. Ein Dialog über sechzehn Nachrichten läuft aber nicht in einer Sitzung ab, sondern über Tage, mit Pausen, oft spät abends.
Was Automatisierung an dieser Stelle leisten muss
Damit ein automatisiertes Gespräch über diese Distanz trägt, braucht es mehr als gute Formulierungen.
- Ein Gedächtnis. Was in Nachricht drei gesagt wurde, muss in Nachricht vierzehn noch gelten.
- Eine Frage pro Nachricht. Wer drei Fragen in einen Block packt, bekommt eine Antwort auf die letzte und verliert den Rest.
- Umgang mit Stille. Ein Gespräch, das nach Nachricht sechs abreißt, braucht einen zweiten Anlauf. Ein Drittel aller Gespräche entsteht überhaupt erst so, wie wir an anderer Stelle ausgewertet haben.
- Die Fähigkeit, Nein zu sagen. Das ist der unterschätzte Teil.
Der eigentliche Gewinn ist das Aussortieren
Im Auswertungszeitraum wurden 158 Kontakte als nicht passend eingestuft und mit einer Begründung verabschiedet, statt sie in ein Erstgespräch zu schieben. Das sind 158 Gespräche, die nicht stattgefunden haben.
Bei einer halben Stunde pro Erstgespräch entspricht das rund achtzig Stunden, die nicht in Termine geflossen sind, aus denen ohnehin nichts geworden wäre. Der Wert einer guten Qualifizierung liegt nicht darin, mehr Termine zu erzeugen. Er liegt darin, die falschen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Wichtig ist dabei, wie abgesagt wird. Eine Absage ohne Begründung hinterlässt einen verärgerten Kontakt, der irgendwo darüber spricht. Eine Absage mit einem Satz zum Warum und einem ehrlichen Hinweis, was stattdessen der nächste sinnvolle Schritt wäre, hinterlässt jemanden, der wiederkommt, wenn sich seine Lage ändert.
Was Du daraus mitnehmen kannst
- Erwarte keine drei Nachrichten. Wer Automatisierung auf einen Dreischritt auslegt, baut am realen Gesprächsverlauf vorbei.
- Prüf, ob Dein System über Tage trägt, nicht nur über eine Sitzung im Browser.
- Miss, wie viele Erstgespräche bei Dir ergebnislos bleiben. Diese Zahl ist der Maßstab dafür, was eine gute Qualifizierung vorab wert wäre.
Willst Du sehen, wie er schreibt?
Auf der Startseite sitzt der Setter in einem echten Chatfenster. Schreib ihm wie einer Deiner Leads und sieh selbst, was er daraus macht.
Setter jetzt testen
